Saisonbilanz 2009/2010
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Nach 3 Vizemeisterschaften in den letzten 5 Jahren ist dem TSV Södel endlich der große Wurf gelungen. Die Handballer aus dem Wölfersheimer Ortsteil haben sich souverän die Meisterschaft in der Bezirksoberliga gesichert. Mit dem damit verbundenen Aufstieg in die Landesliga ist der TSV Södel im nächsten Jahr gleichzeitig auch der ranghöchste Vertreter der dem Bezirk Gießen angehörenden Wetterauer Handballvereine. Für den TSV „Frisch-Auf“ 1896 Södel dürfte dies darüber hinaus der größte Erfolg im Hallenhandball seiner Vereinsgeschichte sein.
Wetterauer in der Favoritenrolle
Aus Sicht der Wetterauer Vereine war es sicher eine denkwürdige BOL-Saison. Während in den letzten Jahren der WSV Oppershofen und die SU Nieder Florstadt aus der Landesliga in die BOL abstiegen, erwischte es in der letzten Saison mit der HSG Münzenberg/Gambach auch den letzten heimischen Vertreter. Zusammen mit den etablierten Vertretern aus Södel, Friedberg, Griedel und Mörlen stellte die Wetterau somit die Hälfte aller Vereine. Darüber hinaus zählten einige heimische Vereine auch zum Favoritenkreis und spannende Spitzenderbys gab es somit fast an jedem Spieltag.
Rechtenbach mit gutem Start
Anfangs waren es aber die SG Rechtenbach und der TSV Kirchhain, die auf sich aufmerksam machten. Während die Rechtenbacher sowieso dem Favoritenkreis zu zurechnen waren, entpuppte sich der TSV Kirchhain als die Überraschung der Saison und setzte sich aufgrund seiner Heimstärke dauerhaft in der Spitzengruppe fest. Damit sind aber auch bereits die beiden Vereine genannt, bei denen sich die Södeler in der Vorrunde Auswärtsniederlagen einhandelten. Einen weiteren Punkt gab man im Auftaktspiel beim einem WSV Oppershofen ab, der aber insbesondere in der Rückrunde nicht an die guten Leistungen der letzten Saison anknüpfen konnte. Ähnliches gilt auch für die SU Nieder Florstadt während die Saison für die enttäuschenden Griedeler völlig daneben ging. Die SG Münzenberg/Gambach als Absteiger brauchte zwar Zeit zum akklimatisieren, entwickelte sich im Saisonverlauf aber noch zum ernsthaften Konkurrenten um die Meisterschaft. Zu spät allerdings. Denn in der Rückrunde gab der TSV Södel bis zur Meisterschaft nur 3 Punkte ab und sicherte sich den Titel schon einige Spieltage vor Saisonende. Der große Showdown, den der Spielplan vorsah, fiel also aus. Denn die Spiele der Södeler an den letzten beiden Spieltagen gegen die direkten Verfolger aus Rechtenbach und Münzenberg/Gambach wurden bedeutungslos.
Angriff – Abwehr – beste Auswärtsmannschaft. Die Södeler überzeugten in vielen Belangen. Nur die Torjägerkanone ging nicht nach Södel. Dies ist aber gleichzeitig ein weiteres Indiz für die Ausgeglichenheit im Södeler Kader.
Neuer Trainer – neues Glück
Zu den Favoriten zählten die Södeler regelmäßig in den letzten Jahren. Das es in diesem Jahr klappen sollte, war aber fraglicher denn je. Schon früh war klar, dass Sascha Thönges, Thomas Roth und Jörn Mager aus verschiedenen Gründen nur bedingt zu Verfügung standen und mit dem jungen Torhüter Dominik Malik hatte man lediglich einen potenziellen Neuzugang zu vermelden. Weil Trainer Bernd Walter nach zwei Jahren die Arbeit in Södel beendete, konnte man Thomas Bley überzeugen, nach zweijähriger Pause wieder ein Traineramt zu übernehmen.
Dem gelangen dann auch entscheidenden Dinge: Er formte aus den Individualisten eine Mannschaft und brachte der in der Vergangenheit oft behäbig agierenden und die sich auf ihre individuellen Stärken verlassenden Truppe das Laufen bei. Sicherlich ein entscheidender Zug. Denn mit schnell vorgetragenen Angriffszügen konnten die Södeler ihre doch sichtbaren Schwächen im Positionsspiel mehr als kompensieren.
Darüber hinaus schaffte es Bley ein Kollektiv zu formen, dessen Ausgeglichenheit am Ende die Meisterschaft entschied. Bley löste sich von den individuellen Stärken Einzelner. Im Laufe der Saison tankte die Truppe soviel Selbstvertrauen, das Bley in der Rückrunde fast verlustfrei durchwechseln konnte. Wo den anderen Mannschaften die Luft ausging, konnte der TSV meist noch entscheidend nachsetzen. Södel war spielerisch keineswegs überragend - überzeugte aber mit Konstanz und Disziplin.
Bley’s Vorstellungen von modernem Handball sahen neben der 6:0 auch eine 5:1-Deckung vor. Eine Formation, die insbesondere Marco Boller entgegenkam. Der Oldie dankte es mit einer hervorragenden Saison, entwickelte sich zum echten Führungsspieler und katapultierte sich noch einmal in die Spitzengruppe der Feldtorschützen.
Eigene Jugend ist das Herzstück
Das Gerüst der Mannschaft bildet die ehemalige Södeler A-Jugend der Geburtsjahrgänge 1980 und 1981. Bastian Lind, Andreas Hofmann, Thomas Roth, Markus Ohly, Jörn Mager und Karsten Krahn gehören dazu. Auch Kai Fischer und Dominik Hitzel, der bereits seit 2004 in Södel spielt, gehören zu diesem Jahrgang auch wenn sie ihre Jugend nicht in Södel verbrachten. Handballspielen konnten sie schon immer – jetzt kamen Reife und Abgeklärtheit dazu, die im Handball doch so wichtig sind. Die Meisterschaft ist aber auch ein Lohn für all die, die im letzten Jahrzehnt dafür gesorgt haben, dass die Jungs in Södel blieben.
Torhüter machen den Unterschied
Die Stärke der Södeler Abwehr ist schon länger bekannt – jetzt stand auch noch ein starkes Torhüter-Trio dahinter. Mit Dominik Malik wechselte ein Talent nach Södel an dessen Seite sich auch Christian Steube enorm gesteigert hat. Das Torhütergespann zählt sicherlich zum Besten was die BOL dieses Jahr zu bieten hatte. Und wenn alle Stricke rissen, hatte Bley noch Martin Malik in der Hinterhand. Der Routinier schaffte es immer noch, in entscheidenden Momenten eine starke Leistung abzurufen. Noch wichtiger aber ist, dass seine bloße Anwesenheit auf dem Spielfeld für seine Vorderleute immer ein positives Zeichen war.
Abenteuer Landesliga
Größere Veränderungen zeichnen sich im Södeler Kader nicht ab. Die Möglichkeiten lassen allenfalls punktuelle Ergänzungen zu. Thomas Bley muss somit das bestehende Kollektiv weiterentwickeln und dafür sorgen, dass das noch vorhandene Potential ausgeschöpft wird.
Es wäre deshalb unangemessen ein anderes Ziel als den Klassenerhalt als Ziel zu definieren. Die Leistungsdichte in der Landesliga ist groß und am Ende werden mal mindestens drei Mannschaften absteigen. Man darf auch gespannt sein, wie der Landesliga-Handball in Södel angenommen wird. Nach jahrelangen Spitzenpositionen in der BOL muss man sich sicher auch auf einige Mißerfolge einstellen und die vielen lukrativen Derbys fallen weg.
Der TSV hat aber auch noch andere Baustellen. Wenn auch der Kader vielleicht die Landesligareife hat – die Södeler Turnhalle hat diese nicht. Das eingeschränkte Sichtfeld der Zeitnehmer wird sicher noch für weiteren Zündstoff sorgen. Und zu Guter letzt muss auch noch nach denen gesucht werden, die in die Fußstapfen der Meister 2010 treten sollen.
